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Jugenddorf Beit Hagai   -   Problematische Jugendliche erhalten eine neue Perspektive

In den südlichen Hebronbergen, einer Gegend die von Landwirtschaft geprägt ist, nur eine halbe Autostunde von Jerusalem entfernt, liegt das Jugenddorf Beit Hagai. Es wurde 1989 gegründet, als die gleichnamige jüdische Siedlung erweitert und viele neue Wohnhäuser gebaut wurden. Zunächst startete die Arbeit des Jugenddorfes in den freigewordenen Häusern und Containern der Gründungszeit. Nach und nach konnten Steinhäuser errichtet werden, die zum einen mehr Platz und zum anderen Schutz vor Gewehrfeuer bilden. Denn seit Ausbruch der Al-Aqsa-Intifada werden die Siedlung und das Jugenddorf immer wieder von palästinensischen Terroristen beschossen.
Der Name "Beit Hagai" setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen von drei jüdischen Jungen zusammen, die 1980 in Hebron ermordet wurden: Hanan Krauthammer, Gershon Klein, Jakov Zimmerman. Diese drei Buchstaben ergeben in Hebräisch den Namen des Propheten Hagai.

Heute bietet Beit Hagai Heimat für etwa 50 Jungen aus ganz Israel. Sie sind zwischen 12 und 18 Jahre alt und kommen aus schwierigen familiären oder sozialen Verhältnissen und leiden unter ernsten psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten. Weil sie mit ihrer familiären Situation nicht mehr zurecht kamen, sind viele von ihnen von zuhause weggelaufen oder wurden vom Jugendamt aus ihren Familien geholt. Oft waren die Kinder schon in anderen Heimen oder Pflegefamilien untergebracht, bevor sie nach Beit Hagai kamen.
Das erklärte Ziel von Beit Hagai ist es, diesen Jungen zu helfen, ihre schlimmen Kindheitserlebnisse zu verarbeiten, ihre Schwierigkeiten und Probleme zu bewältigen und sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Jugenddorf ein Konzept entwickelt, das sehr erfolgreich ist: Die Kinder leben in Familien zusammen, meist acht Jungen und ein Elternpaar. Diese Pflegeeltern sind religiöse jüdische Ehepaare, die meist eigene kleine Kinder haben und sich für die Dauer von mehreren Jahren für diesen Dienst zur Verfügung stellen. In diesen Familien erfahren die Jugendlichen viel Liebe und Geborgenheit - etwas, das sie vorher meist nicht kannten.
Dieses Erleben eines normalen Familienalltags mit gemeinsamen Mahlzeiten, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitaktivitäten ist ein entscheidendes Element zur weiteren Entwicklung der Jungen, ebenso die Schulausbildung in der zum Jugenddorf gehörenden Schule. Durch speziell ausgebildete Lehrer und kleine Klassen mit nur je zehn Schülern ist es möglich, dass auf die individuellen Bedürfnissen jedes Jugendlichen eingegangen werden kann und sie optimale Lernbedingungen haben. Auch die biblische Unterweisung gehört zum Tagesablauf.


 Ein anderer wichtiger Punkt des Konzeptes ist die praktische Ausbildung. Hier können die Jungen je nach Interesse und Begabung zwischen den Bereichen Schlosserei, Schreinerei, Gärtnerei oder Computer wählen. Der Umgang mit Maschinen und Werkzeugen unter der fachkundigen Anleitung eines Ausbilders und das Herstellen von Gebrauchsgegenständen, wie etwa des eigenen Bettgestells, hilft ihnen, Vertrauen in die eigene Person und Fähigkeiten zu entwickeln. Auch hat jeder Junge regelmäßig Einzelgespräche mit einem Sozialarbeiter, Therapeuten oder Psychologen.
Zum Jugenddorf gehören auch Schafe, Ziegen und Esel, die von den Kindern versorgt werden. Hier lernen sie, Verantwortung zu übernehmen und ihre Aufgaben zuverlässig auszuführen, da die Tiere ganz auf sie angewiesen sind. In der Vergangenheit wurde mit diesen Tieren auch gezielt therapeutisch gearbeitet. 
Die erzielten Erfolge im Verhalten der Jungen waren so gut, dass das Jugenddorf diesen Bereich weiter ausbauen und zukünftig eine Reittherapie anbieten möchte. Dabei ist die Therapie nicht auf das eigentliche Reiten beschränkt, sondern umfasst auch alle Arbeiten rund um das Pferd wie Füttern, Putzen und Säubern der Ställe. Das große Gelände von Beit Hagai sowie die Gegend um das Dorf herum eignen sich sehr gut zur Pferdehaltung und für Ausritte. Es sollen acht Pferde angeschafft und ein erfahrener Reittherapeut angestellt werden. So könnten jeweils acht Teilnehmer in zwei Gruppen sowohl theoretischen wie auch praktischen Unterricht erhalten. Während der Dauer des normalen Schuljahres soll den Kindern dreimal pro Woche eine halbe Stunde lang theoretisches Wissen über die Anatomie, Pflege und Haltung eines Pferdes vermittelt werden. Zum praktischen Unterricht wird dann sowohl die tägliche therapeutische Reitstunde als auch das Versorgen der Pferde gehören.
 


Den Verantwortlichen des Jugenddorfes ist es wichtig, dass in regelmäßigen Auswertungen geprüft wird, wie sich dieses Programm auf das Verhalten der Jungen untereinander, in den Familien, sowie auf die persönliche Entwicklung des Einzelnen auswirkt. Dadurch ist es jederzeit möglich, die Therapie auf die sich ändernden Bedürfnisse anzupassen.
Und der Erfolg der Arbeit - sofern man hier von Erfolg sprechen kann - gibt dem Konzept von Beit Hagai Recht: Zwischen 70 und 80 Prozent der Jugendlichen schaffen den Weg in ein normales Leben. Für eine soziale Einrichtung dieser Art ist das ein sehr hoher Anteil. Der Feigenbaum e. V. unterstützt seit Jahren die wertvolle Arbeit in Beit Hagai, weil wir sie als eine wichtige Investition in Israels Zukunft verstehen. Hier werden aus Jugendlichen ohne Hoffnung Menschen, die den Glauben an sich selbst, an ihr Volk und an ihren Gott finden.


Mit freundlicher Genehmigung aus der Zeitschrift »Sehet den Feigenbaum«, Ausgabe 265, Sept./Okt. 2006 (www.feigenbaum.de)  

Auch der AK "Suchet der Stadt Bestes", Nürnberg unterstützt dieses Projekt in Israel.